Vietnam: Exotischer Traum zwischen Geschichte und Moderne

Freitag, 25.09.2009 von Benjamin | Eingestellt in Reiseberichte, Vietnam

Früher ein Exotikum, heute der Traum vieler Asien-Reisender: Vietnam hat sich in den vergangenen Jahren zu einer der facettenreichsten Destinationen des Fernen Ostens gewandelt. Fast an jeder Ecke ist der Auftrieb spürbar. Anziehungspunkte für Touristen sind natürlich die Städte Hanoi und Ho Chi Minh City, wobei Hanoi eher den ruhigen Charme der Tempel und Ho Chi Minh City die Hektik des Westens ausstrahlt. Entsprechend vielseitig, aber auch Sprung- und Wechselhaft ist die Geschichte und die historischen Sehenswürdigkeiten Vietnams, das viele Jahrhunderte Krieg mit seinen Nachbarn führen musste und lange Spielball der Kolonialmächte war. Eine traurige Berühmtheit erlangte das Land, das an China, Laos und Kambodscha grenzt als Kriegschauplatz der 1960/70er Jahre, mittlerweile steht Vietnam jedoch für 2000 Kilometer Küste mit feinsandigen Palmenstränden, einer weitreichenden und bewegenden Geschichte, Kultur mit den Einflüssen verschiedenster Völker und Religionen und faszinierenden Landschaften mit Bergen, Wasserfällen, Dschungel und immergrünen Reisfeldern.  All diese Vorstellungen von Vietnam finden tatsächlich Ihre Entsprechung in diesem zauberhaften Land. Dennoch überrascht die Wirklichkeit den Vietnam Urlauber bei jeder Gelegenheit, denn zwischen Halong Bucht und dem Mekong Delta gibt es viel zu entdecken. Es ist einfach für jeden etwas dabei und verspricht ein Erlebnis zu werden, das man so schnell nicht wieder vergisst.

Urlauber die zum ersten mal  Vietnam bereisen und den Flughafen verlassen, erleben nach dem Besteigen des Taxis oder Busses einen ersten Schock. Tausende und abertausende Mofas, Fahrräder und Autos verstopfen die Strassen. Es scheint keine Verkehrsregeln zu geben. Und selbst wenn es welche geben sollte, scheint die Masse der Verkehrsteilnehmer eigenen Regeln zu folgen. Deshalb stellt sich für alle Vietnamneulinge die Frage, wie die anstehende Reise gebucht werden soll? Sowohl die Individual- als auch die Pauschalreise haben Ihre Vor- und Nachteile. Die meisten Vietnamurlauber nutzen den Service, der Ihnen von einem der deutschen Reiseveranstalter angeboten wird. Hier bekommt man Komplettreisen, die alle Transfers, die Flüge und natürlich die Hotels enthalten. Oft gibt es auch Bausteinmodule die Erweiterungen um Ausflüge oder mehrtägige Rundreisen ermöglichen und damit ein recht individuelles Programm zulassen. Für alle die das erste Mal nach Vietnam reisen, oder diejenigen die sich hauptsächlich der Entspannung und dem Nichtstun widmen möchten, ist dies auch unbedingt der empfehlenswertere Weg seine Vietnamreise zu buchen.

Die meisten Touristen erreichen Vietnam über den Flughafen Hanoi oder Ho Chi Minh City, die von allen wichtigen internationalen Fluggesellschaften angeflogen werden. Die Flugzeit beträgt zwischen 11 Stunden (Hanoi) und 14 Stunden (Ho Chi Minh City). Touristen haben keinen Grund, in Vietnams Hauptstadt Hanoi Bus zu fahren. Ein Taxi kostet selbst in entlegene Vororte höchstens drei Euro, dazu kommen Tausende Moped-Taxis. Wer ein wahres Abenteuer erleben will, steigt trotzdem in den Bus. Und wird das niemals vergessen.

Klima:

Aufgrund der großen Fläche des Landes, weicht auch das Klima zwischen Nord- und Südvietnam erheblich voneinander ab. Vietnam hat ein abwechslungsreiches Klima mit 3 Klimazonen, welches von 2 Monsunzeiten beherrscht wird.  In Nordvietnam herrscht subtropisches Klima mit heissen Sommern und kühlen Wintern. Die Monate Juli und September sind heiss und wechselhaft. Als beste Reisezeit gelten die Monate März bis Juni. In Südvietnam herrscht tropisches Klima bei fast konstanten Temperaturen. Als beste Reisezeit gelten hier die Monate Dezember bis April. In Zentralvietnam kombiniert das nördliche und südliche Klima. Rund um Hue gibt es heisse und regnerische Sommer. Aufgrund der bergigen Umgebung wird es jedoch nicht so heiss wie im Süden. Die Regenzeit vom September bis Dezember kann auch von starken Stürmen begleitet werden. Als beste Reisezeit gelten die Monate März bis Juni. Generell ist zu beachten, dass in den Monaten Juli bis November der Sommermonsun den Küsten häufig starken Regen und Taifune bringt.

Einreise:

Deutsche Staatsangehörige benötigen für die touristische Einreise einen noch mindestens einen Monat über den Aufenthalt hinaus gültigen Reisepass und ein gebührenpflichtiges Visum (Die Visagebühr beträgt zurzeit zwischen 55 € und 64 € bei einem Aufenthalt von 15 Tagen), das bei den Vertretungen in Deutschland beantragt werden muss. Welche Unterlagen Sie einreichen und welche Fristen dabei eingehalten werden müssen, erfahren Sie bei den zuständigen Vertretungen in Deutschland. Das Visum berechtigt in der Regel zu einem Aufenthalt bis zu sechs Monaten. Der deutsche Kinderausweis wird zwar anerkannt, muss jedoch ab dem sechsten Lebensjahr mit einem Lichtbild versehen sein. Schwierigkeiten sind nicht auszuschließen, daher wird aufgrund praktischer Erfahrungen dringend empfohlen, auch für Kinder einen eigenen Reisepass mitzuführen oder mitreisende Kinder im Pass der Mutter oder des Vaters eintragen zu lassen. In diesem Fall sollte darauf geachtet werden, dass das entsprechende Visum auch für die Kinder gilt.

Gut zu wissen:

Im Allgemeinen sind die Vietnamesen Ausländern gegenüber aufgeschlossen, freundlich und tolerant. Man kommt mit den Einheimischen schnell ins Gespräch auch wenn es mit Händen und Füssen ist. Sie erwarten nicht, dass man die vietnamesischen Lebensweise vollständig versteht und nachahmt. Bei einer Begrüßung sollten Sie die Hände nur schütteln, wenn die Initiative von einem Einheimischen ausgeht. Ansonsten reicht ein wohlwollendes Nicken und Lächeln. Grundsätzlich gilt: Ein Lächeln öffnet viele Türen, und Humor hilft über manche Unpässlichkeiten hinweg. Als bedeutendster Körperteil darf der Kopf nicht berührt werden, was auch bei Kleinkindern gilt. Die Füße sollten niemals gegen Personen oder religiöse Objekte ausgestreckt werden. In den Augen der Einheimischen sind ausländische Touristen automatisch reich. Bettler erhoffen sich daher besonders Geld. So mitleiderregend Sie aussehen mögen, man sollte bedenken, dass Almosen das Betteln fördert. Die vietnamesischen Behörden sind bei Rauschgiftdelikten nicht zimperlich. Schon der Besitz geringer Drogenmengen führt zu hohen Freiheitsstrafen. Ab einem Besitz höherer Mengen steht die Todesstrafe. Frauen können in Vietnam recht unbedenklich reisen. Die Einheimischen begegnen Ihnen höflich und distanziert. Allerdings empfiehlt sich, hinsichtlich der Kleidung und Kontakt mit einheimischen Männern etwas zurückhaltender zu sein.

Nordvietnam mit der Hauptstadt Hanoi:

Im nördlichen Teil Vietnams gibt es viele erstaunliche Sehenswürdigkeiten. Hanoi, die Hauptstadt des Landes strahlt eine ruhige und eher konservative Atmosphäre aus. Alte Bauwerke, ehrwürdige Tempel und kleine Parks mit grüner Vegetation unterstreichen den einzigartigen Charme dieser Stadt, doch auch das Ho-Chin-Minh Mausoleum oder der bekannte Literaturtempel als Beispiel gut erhaltener vietnamesischer Baukunst geben ihr ein eigenes Gesicht. Hanoi zeigt sich noch ursprünglich und zieht den Besucher mit seiner Unverfälschtheit unweigerlich in seinen Bann.Im Nordosten Vietnams findet man eine der schönsten Landschaften der Welt, mit mehr als 3000 kleinen, bewachsenen Karstfelsinseln mitten im Meer- die Halongbucht. Diese zählt zum Weltnaturerbe und speziell Bootstouren zu den Mangroven oder Ausflüge in die Grottenwelt der Inseln lohnen sich. Ein weiteres Highlight des Landes ist die ca. 60 km südwestlich von Hanoi liegende buddhistische Pilgerstätte Perfume Pagoda. Die grosse Höhle und einige Tempel sind Ziel eines Pilgerzuges vieler Buddhisten zum Ende des dritten Mondmonats (Februar/März). Zu dieser Zeit ist hier Hochbetrieb. Von Hanoi aus werden für Touristen das ganze Jahr über Ganztagesausflüge angeboten. Außer einer ca. 4 km langen Wanderung gehört auch eine Bootsfahrt dazu. Nördlich von Hanoi liegt die Stadt Sapa in einem schönen Tal auf ca. 1.600m Höhe. Sie ist Ausgangspunkt für unerschrockene Trekking-Freunde, um mehrtägige Trips ins Hochland, z.B. auf den höchsten Gipfel von Vietnam, zu machen. Hier kann es im Winter empfindlich kalt werden. Beste Reisezeit für das nördliche Vietnam ist das Frühjahr.

junks on halong bay

Zentralvietnam mit der Königstadt Hue:

Schon seit dem 17. Jahrhundert existiert die Stadt Hue in Zentralvietnam und war mehr als 140 Jahre die Hauptstadt der Republik. Alte Tempel, kaiserliche Bauten und Gebäude im französischen Stil zeugen von dieser Zeit und verströmen einen einmaligen Charme. Die ehemalige Kaiserstadt Hue ist heute die Altstadt und beherbergt den Königspalast mit der ‘Verbotenen Stadt’. Bemerkenswert sind in der Anlage das Südtor, die neun Urnen und der sich in der Oststadt befindliche Museumskomplex. Etwas südlich der Stadt befinden sich weitere Sehenswürdigkeiten, wie die antiken  Kaisergräber der Nguyen-Dynastie oder die wunderschönen Tempel und Pagoden. Sie befinden sich etwas verstreut und können evtl. bei einer Fahrradtour besichtigt werden. Auch die, östlich an der Küste zum Südchinesischen Meer gelegene, Stadt Danang hat ihren ganz eigenen Reiz. Die viertgrößte Stadt des Landes wurde während des Vietnamkrieges gegen die Amerikaner häufig als „Saigon des Nordens” bezeichnet, doch nach dem Krieg kam es zu einem jähen Halt des lebendigen Treibens. Heute kehrt einiges des alten Glanzes zurück und vor allem das Cham Museum mit seiner Sammlung an traditioneller Handwerkskunst und die Strände westlich der bekannten Marmorberge lohnen einen Besuch. Hoi An, das ehemalige Faifo, liegt ca. 30 km südlich von Da Nang, der grössten Stadt in der Mitte von Vietnam. Hoi An zählte zeitweise als bedeutendste Hafenstadt Vietnams und mit Macau und Malacca zu den wichtigsten internationalen Handelshäfen Südostasiens. Wegen ihrer schönen Lage und alter Bausubstanz ist das Städtchen die Tourismusdrehscheibe in Zentralvietnam. Besonders sehenswert ist die Altstadt mit ihren gut erhaltenen Gebäuden, die während des Krieges nahezu unversehrt geblieben sind und wegen denen Hoi An heute zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Die Ruinenstätte My Son befindet sich ca. 50 km westlich von Hoi An. Sie war vom 4. bis 13. Jahrhundert die bedeutendste hinduistische Kultstätte und wurde erst vor ca. 100 Jahren wiederentdeckt. Leider wurden weite Teile der Anlage während des Vietnamkrieges zerstört, als die Amerikaner dort eine Zentrale des Vietkong vermuteten.

Südvietnam mit der heimlichen Haupstadt Ho Chi Minh City (Saigon):

Wunderschöne, kilometerlange Sandstrände am Südchinesischen Meer kann man in der malerischen Hafenstadt Nha Trang besuchen. Heute ist es der wichtigste Badeort Vietnams und die wunderschöne Unterwasserwelt der kleinen Inseln und Buchten vor der Küste lädt zu abwechslungsreichen Tauch- und Schnorchel Ausflügen ein. Eine weitere Sehenswürdigkeit ist unter anderem die Kathedrale und der sich auf einem Hügel befindliche Tempel Chua Long Tu. Südlich von Nha Trang befinden sich die Cham-Türme von Po Klong Garai. Die Anlage stellt das besterhaltende Beispiel der Cham-Baukunst in Vietnam dar. Die vier Türme aus roten Backsteinen wurden im 13. Jahrhundert als Hindu-Tempel erbaut. Das Relief über dem Eingang des Hauptturms stellt einen tanzende sechsarmige Shiva dar. Am wunderschönen Xuan Huong Stausee liegt die Stadt Dalat auf 1500m Höhe im westlichen Bergland. Sie ist bevorzugtes Ziel vietnamesischer Touristen. Hier gibt es Restaurants am See mit Schwanentretbooten, Ponyreiten oder knallbunte Souvenirstände. Die Landschaft ist von fruchtbaren Wäldern, Wasserfällen und kleinen Seen geprägt, weshalb Dalat auch ein besonders beliebtes Ausflugsziel ist. Hauptaugenmerkt und beliebtes Stopoverziel in Südvietnam ist Ho Chi Minh City (ehemals Saigon), welches als geheime Hauptstadt Vietnams gehandelt wird. Es ist die größte Stadt des Landes und liegt etwas nördlich des Mekong-Deltas. Von Moderne und westlichen Einflüssen geprägt, herrscht ein bunter Trubel in der ehemaligen Hauptstadt Vietnams, welche einige Sehenswürdigkeiten, wie große Straßenmärkte, eine schöne Altstadt oder beeindruckende Pagoden, zu bieten hat. Der dichte Verkehr und das hektische Leben des Industriezentrums wechseln sich mit kleinen Parks, einigen Tempeln und alten Gebäuden aus französischen Kolonialzeiten ab, die der Metropole einen ganz eigenen Charme verleihen. Gesehen haben muss man auch die beiden grossen Märkte Ben Thanh und Binh Tay. Der gesamte Raum südlich von Ho Chi Minh City wird vom beeindruckenden Mekong Delta eingenommen, welches aus dem gewaltigen Strom des gleichnamigen Flusses und unzähligen seiner Teilarme besteht. Das Delta wird auch als „Südliche Resikammer Vietnams” bezeichnet, weil man hier durch den besonders fruchtbaren Boden intensiven Gemüse- und Reisanbau betreiben kann. Auch sonst sind die Einheimischen hier zum Fischen und als Transportweg auf das Wasser angewiesen und selbst die Märkte finden in Booten auf den Flüssen statt. Der Tempel der Cao-Dai Religion befindet sich in Tay Ninh, westlich von Ho Chi Minh City. Dieser Haupttempel der Cao-Dei-Religion bietet einen äusserst farbenfrohen Anblick. Es handelt sich hier um eine Religion, die ihre Kernaussagen sowohl aus dem Buddhismus, Taoismus und Islam als auch dem Christentum, verschiedenen lokalen Sekten sowie dem Konfuzianismus herleitet. Eine Sehenswürdigkeit der besonderen Art! Eine weitere Sehenswürdigkeit ist im Südwesten von Vietnam zu finden. In dem Tunnelsystem von Cu Chi kann man das unterirdische System von Gängen und die Waffen der Vietkong besichtigen, mit denen sie sich den Amerikanern zur Wehr setzten.  Découverte du Vietnam

Fazit:

Der Vietnamkrieg ist im Land direkt nicht mehr zu spüren. Eine der Folgen des Krieges ist, dass man vielerorts nur wenige ältere Frauen und noch weniger ältere Männer trifft. Zwar hat sich das fleissige Volk aus der schlimmsten Armut befreit, doch gilt Vietnam immer noch als armes Land. Im Tourismus hofft man nun auf Devisen und die findigen Vietnamesen haben ein einmaliges Talent mit geringen Mitteln eine geeignete Infrastrutur aufzubauen, die effektiv ist und die Besucher gleichzeitig warmherzig willkommen heisst. Vietnam ist ein wunderschönes, vielfältiges Reiseland und bietet zahlreiche unterschiedliche Facetten, allein wegen der geografischen Differenzen. In den abgelegenen Gebieten außerhalb von Ho-Chi-Minh-Stadt und Hanoi ist es noch nicht wirklich touristisch erschlossen, was deren besonderen Reiz und einzigartigen Charme ausmacht. In den Bergen des Nordens kann man an langen Wanderungen teilnehmen und dabei einige der Bergvölker treffen, die zu den ethnischen Minderheiten zählen. Das Land ist hauptsächlich für Individualtouristen, Abenteurer und Kulturreisende geeignet, die einen einmaligen Eindruck von der völlig anderen und doch faszinierenden Kultur des Landes bekommen möchten.

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